Tagung der AG Kirchen in Europa, St. Petersburg, 4.-6. Juni 2014

Vom 4.–6. Juni 2014 tagte in St. Petersburg die Arbeitsgruppe „Kirchen in Europa“ zum Thema: Das Verständnis der Religionsfreiheit in demokratischen Gesellschaften. Durch die Unterstützung des Petersburger Dialoges, der Konrad-Adenauer-Stiftung sowie durch die hervorragende Organisation der russischen Geschäftsstelle des Petersburger Dialoges war es möglich, diese große und wichtige Sitzung durchzuführen. Die 28 Teilnehmenden führten intensive Gespräche auf Grund von 4 Impulsreferaten. W.A. Kusnezow vom Kommunikationsdienst im Außenamt der ROK referierte über „Religionsfreiheit in der verfassungsrechtlichen Doktrin der Russischen Föderation“.

Dr. H. Rebenstorf vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD sprach über „Religion und Demokratie – Welche Erwartungen haben demokratische Gesellschaften an Kirche und Religion?“, wobei sie besonders auf die Situation in Deutschland einging.

Das Mitglied der Synodalen biblisch-theologischen Kommission des Moskauer Patriarchates A. M. Maler legte seine Sicht auf „Christliche Grundlagen der europäischen Identität“ dar, und Prof. Dr. E. Schockenhoff, Moraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg, erläuterte anhand der Erkenntnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils „Das Recht, frei und ungehindert die Wahrheit zu suchen. Religionsfreiheit und säkularer Staat.“ Diese Impulsreferate lösten eine intensive und zum Teil kontroverse Diskussion aus, die sich nicht auf das Gegenüber der Konfessionen oder der nationalen Herkunft reduzieren ließ.

Diskutiert wurde unter anderem über folgende Fragen: Sollte es so etwas wie eine Leitkultur geben oder ist nicht eher die Vielfalt der Kulturen einer Gesellschaft eine Bereicherung? Was sind eigentlich nicht nur behauptete, sondern erlebbare und tragfähige Werte? Wie ist Europa geprägt – vorrangig christlich oder doch auch maßgeblich jüdisch, muslimisch und aufklärerisch? Kann das konstantinische Modell einer staatlich geschützten christlichen Dominanz noch ein Modell für die Zukunft sein oder ist es nicht eher die staatlich geschützte vielfältige Suche nach der Wahrheit und nach tragfähigen Werten, also der gesellschaftliche Diskurs, in den sich die Kirchen mit ihren Argumenten und ihrer Kultur einbringen?

Die Zusammensetzung der Delegationen trug zum lebendigen Austausch bei: Lutheraner, Katholiken und Orthodoxe aus Russland, Protestanten und Katholiken aus Deutschland, Männer und Frauen, Theologen und Nichttheologen, Junge und Ältere, im Petersburger Dialog Erfahrene und Neue, Konrad-Adenauer-Stiftung und Geschäftsstelle des Petersburger Dialoges trugen zu einem gelungenen Austausch bei. Das Rahmenprogramm mit festlichem Eröffnungsabend, Theaterbesuch und einem Gespräch mit Vertretern der Orthodoxen Metropolie im Alexander-Newski-Kloster tat sein Übriges. Bei dem Besuch im Kloster wurden die Teilnehmenden über Bildungsinitiativen, Taufunterricht, Engagement in den Schulen und die breite Öffentlichkeitsarbeit der Metropolie informiert.

In den Grußworten und in Zwischengesprächen während der Tagung wurde von allen Seiten betont, wie wichtig der Austausch im Rahmen des Petersburger Dialoges gerade in Zeiten aggressiver, einseitig agierender Medien und Akteure ist. Für unverzichtbar hielten es die Teilnehmenden, dass die Kirchen sich in Europa als Teil einer friedensfördernden Tradition und Kultur frei in die Gestaltung der Gesellschaft einbringen.