Sitzung der AG Medien beim 2. Petersburger Dialog, Weimar, 8. – 10. April 2002

Die AG Medien erörterte bei ihren Beratungen im Rahmen des 2. Petersburger Dialogs vom 8. – 10. Mai 2002 in Weimar die Rolle der Medien in den neuen Beziehungen zwischen Deutschen und Russen.

Eröffnet wurde die Sitzung der Arbeitsgruppe durch ein Referat von Prof. Dr. Albert Scharf zum Thema „Die beiden Säulen der Meinungs­freiheit: Unabhängigkeit und Vielfalt“, worin die Entwicklung und der Schutz der Pressefreiheit seit Gründung der Bundesrepublik Deutsch­land skizziert wurden. Anschließend folgte eine sehr eingehende Diskussion über die Rolle und Situation der Medien in beiden Ländern und die Möglichkeiten der freien Berichterstattung nach dem 11. September 2oo1, wobei nur in wenigen Punkten Übereinstimmung erzielt werden konnte. Von deutscher Seite wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass die Vorgänge um NTW, TW 6, Novaja Gazeta sowie um den Korrespondenten der taz, Klaus-Helge Donath, Anlass zu großer Sorge gäben.

Die Arbeitsgespräche des folgenden Tages wurden von Herrn Raf Shakirov eröffnet, der über die „Grundlagen der Pressefreiheit in Russland unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit“ referierte. In der anschließenden Diskussion wurde eingehend über die wirtschaftlichen Voraussetzungen journalistischer Arbeit, die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland und den Einfluss der Anzeigenkunden auf die Berichterstattung gesprochen.

Einigkeit bestand schließlich darüber, dass die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen im Bereich der Medien besonders durch den Aufbau von Netzwerken sowie durch konkrete Projekte zu verbessern seien. Daher wurden folgende Vorhaben beschlossen:

  • Einführung eines Journalistenprogramms „ Vier Wochen in Deutschland“ für russische Journalisten bis 35 Jahre mit guten Deutschkenntnissen.
  • Durchführung von vier Live-Konferenzschaltungen Moskau-Berlin bei ORT (Erstes Russisches Staatliches Programm) im Jahr 2oo2/3.
  • Mehrtägiger Besuch von Ressortleitern / Chefredakteuren auf Einladung von ITAR-TASS zu Beratungen nach Moskau und Sankt Petersburg kommen.
  • Regelmäßige Veröffentlichung von Artikeln aus der russischen Zeitung „Sankt Peterburgskije Vedomosti“ in einer deutschen Zeitung.
  • Vergleichende Studie zur deutschen und der russischen Mediengesetzgebung.
  • Zusammenarbeit zwischen der Großen Journalistenjury in Russland und dem deutschen Presserat.
  • Einführung von Journalistenpreisen für die beste Publikation über Russland bzw. Deutschland.
  • Soziologische Studien zum Bild der Deutschen und Russen im jeweils anderen Land und anschließende Veröffentlichung unter dem Titel: „Deutsche über Russland. Russen über Deutschland.“
  • Erweiterung der Web-Site „Petersburger Dialog“.
  • Die „Moskauer Deutsche Zeitung“ soll unter dem Logo „Petersburger Dialog“ erscheinen.
  • Weltkongress der russischen Presse in Berlin im Jahr 2oo2.
Berichterstatter
Dr. Nicolaus Fest, Redakteur Kultur, BILD-Zeitung
Tatjana J. Tschesnokowa, Chefredakteurin, Informationsagentur »Rosbalt«