Sitzung der AG Gesundheit beim 18. Petersburger Dialog, Bonn/Königswinter, 18.-20. Juli 2019

Am 18./19. Juli 2019 fand in Bonn das 18. Jahrestreffen des Petersburger Dialogs statt, in dessen Rahmen es ebenfalls ein Treffen der Arbeitsgruppe Gesundheit des Petersburger Dialogs gab. Auf der Tagung der AG Gesundheit wurden Kooperationen von Wissenschaft, medizinischer Praxis und Bildung im Gesundheitswesen erörtert.

Die Ko-Vorsitzenden der AG Gesundheit von der deutschen bzw. russischen Seite, Andrea Fischer und Prof. Jewgenij B. Schljachto, sprachen ihre Grußworte. Während der ersten Sitzung wurden umgesetzte Pilotprojekte im Bereich der werteorientierten Medizin sowie die Möglichkeit erörtert, erfolgreiche Projekte im Rahmen der zwischenstaatlichen Kooperation an anderen Orten einzuführen. Die Tagung wurde vom stv. Gesundheitsminister der RF Oleg O. Salagaj mit dem Vortrag „Chancen des Gesundheitswesens im werteorientierten Kontext“ eröffnet. Der russische Ko-Vorsitzende der AG Jewgenij W. Schljachto sprach in seinem Redebeitrag über die Möglichkeiten der Informationstechnologien unter dem Gesichtspunkt der werteorientierten Gesundheitsfürsorge. Der Vorstandsvorsitzende der OptiMedis AG Dr. Helmut Hildebrandt berichtete über die Ergebnisse des europäischen Projektes SCIROCCO vor, in dem über unterschiedliche Modelle komplexer Hilfe und die Möglichkeit von deren Skalierung geforscht wird.

Die zweite Sitzung, die den Problemen des globalen Gesundheitswesens gewidmet war, wurde von Frau Prof. Nelli B. Najgowsina mit dem Vortrag „Potenzielle Lösungen auf neue Herausforderungen für das Gesundheitswesen“ eröffnet. Prof. Alexander Eilers, der traditionsgemäß über medizinische Probleme aus juristischer Sicht sprach, hielt den Vortrag „Digitalisierung – eine Innovation mit Risiken und Nebenwirkungen“. Die Referentin des Gesundheitsministers der RF Frau Ljalja A. Gabbassowa warf in ihrem Beitrag sehr wichtige Fragen der rechtlichen Regelung von Teilgebieten der Biomedizin in der RF mit Rücksicht auf die Errungenschaften der internationalen Praxis auf. Frau Prof. Elwira W. Simina vom Lehrstuhl für öffentliche Gesundheit und Gesundheitswesen der Moskauer staatlichen medizinisch-stomatologischen A. I. Jewdokimow-Universität trug zum Thema „Modul ‚Qualitätsmanagement‘ als Bestandteil des Ausbildungsprogramms für Gesundheitsmanager“ vor. Der Beitrag vom Herrn Igor G. Nikitin, Direktor des Behandlungs- und Rehabilitationszentrums des Gesundheitsministeriums der RF, trug den Titel „Eliminierung der Virushepatitis in Russland – Mission possible“.

Die abschließende Sitzung unterm Vorsitz von Frau Prof. Barbara Lachhein und Herrn Igor G. Nikitin befasste sich mit neuen Modellen im Bildungsbereich sowie der beruflichen Gesundheit. Es wurde eine Reihe von Präsentationen über die Chancen für die Entwicklung von Bildungsprojekten im Rahmen der internationalen Kooperation gehalten:

– Rektor der Baschkirischen staatlichen medizinischen Universität Prof. Walentin N. Pawlow: „Entwicklung der deutsch-russischen Kooperation im Bereich der beruflichen medizinischen Hochschulbildung“

– Prof. Helmut Hahn: „Wissenschaftliche Kooperation Deutschlands und Russlands im Rahmen des Koch-Metschnikow-Forums“

– Direktorin der Hochschule für medizinische Ausbildung „Nationales medizinisches Forschungszentrum W. A. Almasow“ Prof. Jelena W. Parmon: „Integration von Wissenschaft und Bildung am Beispiel des neuen Modells der Fachhochschulbildung in der RF“.

Zum ersten Mal im Rahmen des Petersburger Dialogs wurden aktuelle Fragen der beruflichen Gesundheit sowie moderne Ansätze im Risikomanagement an Arbeitsplätzen angeschnitten:

– Frau Prof. Barbara Lachhein: „Die Gesundheitsstrategie der WHO an Arbeitsplätzen – Ergebnisse und Zukunftsausblicke des deutsch-russischen Projektes“

– Prorektor für Entwicklung des regionalen Gesundheitswesens und medizinische Vorsorge, Leiter des Lehrstuhls für prophylaktische Medizin und Gesundheitsfürsorge „Nordwestliche staatliche medizinische Universität I. I. Metschnikow“ Prof. Alexandr W. Melzer: „Moderne Ansätze zur Harmonisierung der Einschätzung und des Managements von Berufsrisiken“

– stv. Generaldirektorin für Forschung des Nationalen medizinischen Forschungszentrums W. A. Almasow Prof. Alexandra O. Konradi: „Erfahrungen bei der Umsetzung von Programmen zur Modifizierung der kardiovaskulären Gesundheit von Bankangestellten“.

Entwurf des Beschlusses der AG Gesundheitswesen über die Ergebnisse der Sitzung auf dem 18. Petersburger Dialog

„Zusammenwirken von Wissenschaft, medizinischer Praxis und Bildung im Gesundheitswesen“

Da innovative Lösungen für die Integration von Bildung und Wissenschaft in die medizinische Praxis unter erhöhtem Veränderungsdruck stehen, bedarf es einer Stärkung des Zusammenwirkens von wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen. Auf der internationalen Ebene bleibt der Petersburger Dialog eine bedeutsame Plattform für die Umsetzung solcher Projekte. Es ist wünschenswert, unter Einbeziehung von Experten – Mediziner, Ökonomen, Politologen, Juristen – , dass viele der Projekte in die Praxis überführt werden können.

Nach den Ergebnissen der Tagung der AG Gesundheit am 19. Juli 2019 erscheint folgendes zweckmäßig:

– festzustellen ist die Notwendigkeit, die Integration von Bildung, Wissenschaft und medizinischer Praxis auf dem Wege unter drei Hauptaspekten voranzutreiben: Struktur, Finanzökonomik und Jura;

– für 2020 ist im Rahmen der Jahresveranstaltung des Petersburger Dialogs eine gemeinsame Tagung der Arbeitsgruppen Gesundheit und Wirtschaft einzuplanen, um die Erörterung innovativer Projekte, darunter auch solche des werteorientierten Gesundheitswesens, fortzuführen;

– zu empfehlen ist die Herausgabe von Unterlagen der Veranstaltung zum Zwecke der Berichterstattung über behandelte Probleme sowie die Gewinnung neuer Spezialisten für die Lösung der gestellten Aufgaben;

– im Rahmen der Erarbeitung des Maßnahmenplans der Arbeitsgruppe Gesundheit für 2020 ist ein Plan für das Projekt der Umsetzung und Einführung der werteorientierte Medizin in einer Region der RF unter Berücksichtigung positiver Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in D zu erstellen.