Sitzung der AG Gesundheit beim 17. Petersburger Dialog, Moskau, 8. Oktober 2018

Am 7. und 8. Oktober 2018 fand in Moskau (Russland) der 17. Petersburger Dialog statt, dessen Hauptziel die Stärkung der Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften Russlands und Deutschlands sowie die Schaffung des „Nährbodens“ für den zwischenstaatlichen Dialog beider Länder war. Im Rahmen des Jahresforums wurden am 8. Oktober zwei Sitzungen der AG Gesundheit durchgeführt. Vorrangiges Thema der Veranstaltung war traditionsgemäß die Suche nach den Richtungen möglicher Zusammenarbeit im Bereich der Gesundheitsfürsorge in Russland und Deutschland. Die unmittelbare Leitung der Sitzungen übernahmen die Ko-Vorsitzenden der AG Gesundheit des Petersburger Dialogs Prof. Jewgenij Wladimirowitsch Schljachto, Mitglied der Akademie der Wissenschaften (Generaldirektor des Nationalen Medizinischen Forschungszentrums „W. A. Almasow“, russischer Koordinator der AG) und Frau Andrea Fischer (Dezernentin für Finanzen und Gebäudewirtschaft der Region Hannover, deutsche Koordinatorin der AG).

Die 1. Sitzung, die unter der Leitung von L. M. Roschal und Alexander P. F. Ehlers stattfand, war der Diskussion über die allgemeinen Tendenzen und Probleme im Gesundheitswesen Russlands und Deutschlands gewidmet. Das wissenschaftliche Programm der Sitzung wurde mit dem Beitrag des russischen Ko-Vorsitzenden der AG Prof. Schljachto eröffnet, in dem die Herausforderungen für das heutige Gesundheitswesen sowie die Wege für ihre Lösungen in der Russischen Föderation im Rahmen der nationalen Projekte erörtert wurden. Es wurden aktuelle statistische Daten zur Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie die Gesundheitskennzahlen der Bevölkerung, die vom Gesundheitsministerium der Russischen Föderation für die nächsten fünf Jahre als Zielparameter festgelegt worden waren, bekanntgegeben. Unterstrichen wurde dabei die Unentbehrlichkeit der Änderung der Herangehensweise bei der Lösung von Aufgaben, und zwar der notwendige Übergang von Fachgebieten zu Kompetenzen.

Im Rahmen der ersten Sitzung wurden weitere Vorträge entgegengenommen:

– Wladimir Iwanowitsch Starodubow bewertete in seinem Beitrag die vergleichende Dynamik der Sterblichkeit in Russland und Deutschland, erörterte die Alters- und Nosologieaspekte und hob die erfolgreichen Projekte in Russland und Deutschland hervor, die die positiven Tendenzen sowohl in der Sterblichkeitsrate, als auch in der Lebenserwartung ins Leben gerufen hatten;

– Stefan Anker erläuterte die Möglichkeiten der Telemedizin und der Massendaten in der Kardiologie und betonte, dass die Verwendung der Bewertung von Massendaten nützlich sei und die Effizienz auf dem Populationsniveau demonstriere, was im Gespräch über die Primärprävention enorm wichtig sei; er stellte die Ergebnisse der neuesten Forschungen im Bereich der Telemedizin („FAIR–HF2“ und „FAIR–HfpEF“) sowie neue spitzentechnologische Ausrüstungen vor, die die Möglichkeiten der modernen Gesundheitsfürsorge erweitern;

– im Beitrag von Ljalja Adygamowna Gabbassowa ging es um die Fragen der rechtlichen Regulierung der Tendenzen in der Biomedizin in der Russischen Föderation in Übereinstimmung mit den internationalen Prinzipien der Bioethik; es wurden Problemzonen wie die Bekämpfung der Kriminalisierung des Blutspendewesens, in deren Rahmen die Konvention gegen den Organhandel ins Leben gerufen wurde, aufgezeichnet;

– Alexander P.F. Ehlers ging auf die gesetzgebenden Aspekte der Datensicherheit in Deutschland ein, erörterte die Gesetze, die die Datennutzung rechtlich reglementieren, sowie die Besonderheiten des Datenaustausches innerhalb und außerhalb der Europäischen Union;

– Jelena Selikowna Goluchowa behandelte globale Probleme der Morbidität und Sterblichkeit infolge von Herzrhythmusstörungen, erklärte die Vorteile von Remote Monitoring sowohl vom Standpunkt der Verbesserung entfernter Ergebnisse der Kontrolle von Rhythmusstörungen her, als auch in Bezug auf die Verbesserung der Lebensqualität des Patienten.

Zur Schlüsselfrage der zweiten Sitzung, die unter der Leitung von N. B. Najgowsina, H. Hahn und W. I. Starodubow stattfand, wurde die Diskussion über die Suche nach neuen Wegen bei der Analyse von Organisationsaspekten des Gesundheitswesens. Es wurden folgende Beiträge entgegengenommen:

– Helmut Hahn machte einen Übersichtsvortrag zur deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge, stellte Projekte und Tendenzen, die aktuell verwirklicht werden, vor;

– im Beitrag von Nelli Borissowna Najgowsina wurden die Reserven der Inlandsinvestitionen im Bereich der stationären medizinischen Betreuung erörtert und die Ergebnisse des Projekts zur Reduzierung der Anzahl der stationären Betten zum Zwecke der Schaffung eines effizienten Mechanismus der Mobilisierung vorgestellt;

– Igor Gennadijewitsch Nikitin stellte die Erfahrungen der Zusammenarbeit des Gesundheitsministeriums der Russischen Föderation mit nichtkommerziellen gesellschaftlichen Organisationen vor und unterstrich die Wichtigkeit der Menschenrechtsaktivitäten, die im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Organisationen in Russland unternommen werden, sowie wertete die Ergebnisse der Tätigkeit der Freiwilligenorganisationen aus;

– Jessica Hanneken sprach über die Möglichkeiten der digitalen Gesundheitsfürsorge in Deutschland, darunter auch über die der telemedizinischen Beratung; den Schwerpunkt setzte sie auf die rechtlichen Aspekte des Problems vom Standpunkt der geltenden deutschen Gesetzgebung her;

– Elwira Witaljewna Simina widmete ihren Beitrag dem Qualitätsmanagement im modernen Gesundheitswesen der Russischen Föderation, erörterte die Besonderheiten von fundamentalen Qualitätskenndaten wie Qualitätskontrolle und -management; das Hauptaugenmerk legte sie auf die Erörterung beruflicher Standards sowie auf die Notwendigkeit des systemischen Ansatzes bei der Aufgabenlösung;

– Alexandra Olegowna Konradi sprach über die Problemaspekte der Bewertung der Qualität der medizinischen Hilfe sowie über die Vorteile von Prozessmethoden für das Entscheidungsfindungssystem und stellte das Schema der Bestimmung des optimalen Models ausgehend von der Bewertung der Effizienz und des Preises einer medizinischen Dienstleistung vor;

– Dr. Tom Albert erörterte neue Wege in der Kommunikation mit Patienten in Deutschland sowie die Perspektiven der Entwicklung.

An der abschließenden Diskussion nahm aktiv der Vorsitzende des russischen Lenkungsausschusses des Petersburger Dialogs Wiktor Alexejewitsch Subkow teil. Er schlug ein Pilotprojekt vor, dessen Zweck in der Analyse von grundlegenden Kenndaten der Gesundheit der Bevölkerung sowie in der Bewertung der Kenndaten des Qualitätsmanagements der medizinischen Hilfe am Beispiel einer der Regionen bestehen soll.

Zum Abschluss der Tagung unter dem Vorsitz von Jewgenij Schljachto und Andrea Fischer wurde die Bilanz gezogen und der Entwurf des Вeschlusses, der der Leitung des Petersburger Dialogs in beiden Ländern zur Auswertung zugeleitet wird, diskutiert.

 

15.10.2018