Sitzung der AG Bildung und Wissenschaft beim 17. Petersburger Dialog, 8. Oktober 2018

Nach der Begrüßung durch die beiden Koordinatoren wurde Einvernehmen über die Tagesordnung erzielt. Im Hinblick auf die zahlreichen Themenvorschläge und die knappe Beratungszeit verständigte sich die Arbeitsgruppe, in den nächsten Monaten insbesondere die Forschungs-, Wissenschafts- und Bildungs-Zusammenarbeit als Hauptbestandteil des zwischenstaatlichen Dialogs zwischen Russland und Deutschland in den Mittelpunkt zu setzen und die politischen Diskussionen durch Fachtagungen und -Projekte unterschiedlichster Formate, insbesondere im Bereich Rechtszusammenarbeit, zu unterstützen.

Das Hauptaugenmerk soll auf den Austausch und das gegenseitige Vertrauen in den russisch-deutschen Beziehungen durch das Zusammenwirken der Forschungs- und Bildungseinrichtungen beider Länder und durch die weitere Verstärkung der Zusammenarbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen, Schulen Universitäten und Forschungsinstituten und Unternehmen beider Länder gerichtet werden. Dieser vertrauenswürdige Dialog und die konstruktive Kooperation soll zu effektiveren Lösungen der Schlüsselprobleme unserer Zeit führen.

Im vergangenen Jahr widmete sich die AG dem Verstehen der Migrations-Prozesse in Russland und in Deutschland und der Entwicklungen in der Digitalisierung/künstlichen Intelligenz.
In der „Migrations-Taskforce“ wurden im Mai in St. Petersburg die politischen, sozialen, geographischen und wirtschaftlichen Aspekte der Migration und Integration behandelt und, obwohl in beiden Ländern unterschiedlich, wurde durch vergleichende Analyse auf vermeidbare Fehler unter jeweils anderen Bedingungen aufmerksam gemacht. Tiefschürfend wurden die Gründe und Folgen der internationalen Migration auf die politischen, wirtschaftlichen, gesetzlichen, medialen, meinungsbildenden und psychologischen Entwicklungen in der Welt untersucht. Besonders die Universitäten können mit ihrem wissenschaftlichen und breitgefächerten Potenzial ein Generator für durchgreifende Idee sein.

Im Mai und September hat die „Digital-Taskforce“ in Berlin und St. Petersburg die neuesten Bildungsansätze in Schulen, Universitäten, Forschungszentren und innovativen Unternehmern kennengelernt und Erfahrungen ausgetauscht, um auch in den folgenden Jahren die Prozesse und Herausforderungen an die Gesellschaft bei der Digitalisierung, die größer werdende Komplexität der Digitalisierung und Roboterautomatisierung in der Wirtschaft und den Produktionsverfahren (Industrie 4.0) zu meistern. Unbestritten sind ihr Einfluss auf Finanzwelt, staatliche Einflussnahme und Gesetze bis hin zur Gesundheit und sozialen Kommunikation der Menschen. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bildung und Forschung als Lokomotive für den Fortschritt – Universität 4.0. Aufgezeigt wurden neue Bildungsformen wie digitales und Online-Lernen, bedarfsgerechtes, projektorientiertes, Praxis-Rückkopplung-orientiertes und unkonventionelles Weiterbilden durch Training, Coaching, Tutoring usw. Eine immer größere Rolle bei der Heranbildung fachlicher Kräfte wird das synchronisierte Zusammengehen von Universitäten und Arbeitgebern spielen. Entscheidend sind dabei auch die praktischen Herausforderungen der Digitalisierung an Wirtschaft, Sprache und Recht, die im September in der Taskforce an Staatlichen St. Petersburger Universität für Wirtschaft und Finanzen gemeinsam mit Studenten und Doktoranden beraten und diskutiert worden sind. Gerade die Einbeziehung der jungen Generation ist von entscheidender Bedeutung für die Zukunft beider Länder.

In den nächsten drei Jahren wird vor allem das im September von beiden Regierungen initiierte Partnerschaftsjahr der Hochschul- und Forschungskooperation zwischen Russland und Deutschland entscheidende Impulse in Richtung liefern. Die Arbeitsgruppe „Bildung und Wissenschaft“ hat sich auf der Basis der Präsentationen und Diskussionsbeiträgen zahlreiche Aktionen vorgenommen.

Die Staatliche Universität Sankt Petersburg stellte am eigenen Beispiel die enge gegenseitige Bildungs- und Forschungszusammenarbeit zwischen deutschen und anderen russischen Universitäten und Forschungseinrichtungen dar, die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, den Deutschen Akademischen Austauschdienst und die Alexander von Humboldt-Stiftung, die z.B. mit integrierten internationalen Studiengänge mit Doppelabschluss und Doktoranden-Programme umgesetzt werden.

Die Staatliche St. Petersburger Elektrotechnische Universität LETI schilderte die Herausforderungen an die Bildung bei der digitalen Transformation von Wirtschaft und Sozialem. Dazu tragen sowohl die Kooperationen in Bildung und in Forschung der Universitäten, Einrichtungen und Unternehmen bei, als auch die Motivierung von Kindern und Jugendlichen für eine Ingenieur-Ausbildung in Schulen und weiterführenden Einrichtungen. Ein interessanter Weg in dieser Richtung ist auch das grenzüberschreitende Zusammenwirken mit Rossotrudnichestvo, DAAD und zivilgesellschaftlichen Kräften wie mit Go East Generationen e.V. bei den Europäischen Alumni-Foren zu Ressourcen, Technologien und gesellschaftlichem Wandel der Digitalisierung in den Bereichen IT (2017), Energie (2018), Gesundheit (2019) und Bauen und Wohnen (2020).

Umfassend präsentierte die Wirtschaftsuniversität Stand, Projekte und Perspektiven der deutsch-russischen bi- und multilateralen Kooperationen der Hochschulbildungs-, Forschungs- und Unternehmerlandschaft dar. Es gibt eingespielte und vervollkommnungsfähigere Mechanismen der Zusammenarbeit, die in einer gemeinsam von russischen und deutschen Ministerien, großen Forschungszentren und Universitäten entwickelten Roadmap über dieses und nächstes Jahrzehnt hinausreichende Kooperation. Ohne das Potential der von den Universitäten hervorgebrachten und hervorzubringenden Wissenschaftler, Ingenieure, Mitarbeiter, Doktoranden, Studenten sowie deren Projekten und Wissen wären die Mega-Science-Einrichtungen und neuen Projekte (ITER, XFEL, LHC-CERN, ESRF, ILL, FAIR, BOREXINO, Ioffe-Röntgen-Institut, PIK, NICA u. a. nicht möglich.

Das Ostinstitut Wismar machte auf den am 17.10.2018 in Rostock stattfindenden 3. Unternehmertag Mecklenburg-Vorpommern und Leningrader Gebiet aufmerksam, zu dem 800 Teilnehmer erwartet werden. Die gesamte Bandbreite der Zusammenarbeit von Unternehmern, Universitäten, Einrichtungen, Politik und Vereinen und die Auswirkungen der Digitalisierung in alle Bereiche werden präsentiert und diskutiert.

Über das Spektrum der Zusammenarbeit, des Erfahrungsaustausches und der Weiterbildung im Vermessungs- und Katasterwesen berichteten der Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V. Köln und die Nationale Kammer der Katasteringenieure.

Die UNESCO, die Gesellschaft der Freunde Kants und Königsbergs e. V. und die Baltische Föderale Immanuel-Kant-Universität bereiten mit vielen Partnern und Kant-Vereinen das Immanuel-Kant-Jahr 2024 anlässlich seines 300. Geburtstags vor.

Die nächste Sitzung der AG wird Anfang Dezember in Russland stattfinden.

Gez.: I. Maximzev, W. Bergmann, als Koordinatoren

gez. M. Nagel (Protokollführer)