Studienreise nach Russland der AG Kirchen für junge Theologen aus Deutschland

Bericht zur Studienreise für junge Theologinnen und Theologen „Begegnungen mit der Orthodoxen Kirche in Russland“ im September/Oktober 2016 der AG Kirchen

Begegnung mit der Orthodoxen Kirche in Russland

Zum zweiten Mal veranstaltete die Arbeitsgruppe „Kirchen in Europa“ vom 26.09. bis 3.10.2016 eine Studienreise für deutsche Studierende und Doktoranden der Theologie, um die Russische Orthodoxe Kirche und deren Hochschuleinrichtungen kennenzulernen. Die Reise der 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (davon 7 kath., 6 ev., 1 orth.) führte von Moskau über Sergijew Possad und Nischnij Nowgorod nach St. Petersburg. Unter der Leitung von Dr. Johannes Oeldemann, dem Koordinator der AG Kirchen des Petersburger Dialogs auf deutscher Seite, führte die Gruppe zahlreiche Gespräche mit Professoren, Dozenten und Studierenden der orthodoxen Theologie. Sowohl im offiziellen Teil der Gespräche als auch bei persönlichen Begegnungen im Anschluss daran wurde viel über Inhalte und Methoden der theologischen Ausbildung in Russland und Deutschland, aber auch über die Geschichte und Kultur prägende Rolle der Orthodoxen Kirche in Russland und ihre heutige Bedeutung in Politik und Zivilgesellschaft diskutiert.

Einige der Studierenden haben ihre Eindrücke von der Reise in kurzen Berichten festgehalten, aus denen im Folgenden auszugsweise zitiert wird:

„Am Dienstag fuhren wir zum Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad, wo wir zunächst in die Hauskirche der Moskauer Geistlichen Akademie geführt wurden, in der sich die Studierenden täglich zu Gottesdienst und Gebet versammeln. Im Museum bekamen wir von einem Seminaristen Einblicke in das Leben der orthodoxen Seminaristen, die nicht nur in orthodoxer, sondern auch in westlicher Kunst ausgebildet werden. Dazu gibt es auch Exponate lateinischer Kunstwerke, die vergleichend zur orthodoxen Kunst studiert werden. Im Konferenzraum gab es Zeit zur Begegnung. Hier erfuhren wir vom Prorektor, dass derzeit knapp 500 Bachelorstudenten, etwa 120 Masterstudierende und ein kleiner Kreis von Doktoranden an der Geistlichen Akademie studieren. Das Bachelorstudium in orthodoxer Theologie ist Männern vorbehalten, weil es direkt auf den Priesterberuf vorbereitet. Deshalb sind Frauen erst ab dem Masterstudium zugelassen. Im Austausch mit den Seminaristen erfuhren wir von deren Motivation, Priester zu werden. Sehr überrascht waren wir, dass Erstsemester mit 14 anderen Seminaristen in Schlafsälen schlafen und erst mit weiterem Studienfortschritt kleinere Schlafräume zugewiesen bekommen.“

„Nach einem großzügigen, typisch russischen Mittagessen warteten noch einige der Studierenden auf uns. Es kam zu einem kurzen, aber sehr intensiven Austausch, bevor wir durch einen der Mönche durch das Dreifaltigkeitskloster geführt wurden. Vielfalt und Umbrüche der russischen Geschichte bilden sich in der Architektur des Klosters sehr deutlich ab. Viele sehr unterschiedliche Gebäude bilden ein bunt gemischtes Ensemble, das zu dem sprichwörtlichen „Goldenen Ring“ um Moskau zahlreiche Kuppeln beiträgt. Den im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehenden Höhepunkt der Führung bildete der Aufstieg auf den 88 Meter hohen Glockenturm. Nicht nur, dass man von dort einen ausgezeichneten Ausblick auf Stadt und Kloster erhaschen konnte; der Weg führte auch an zahlreichen Exponaten orthodoxer Glockenkunst vorbei. Am imposantesten war dabei die wahrscheinlich größte innerhalb des Christentums verwendete Glocke mit einem Gewicht von über 70 Tonnen. Ein Koloss von einer Glocke, deren Klöppel von 20 Männern in Bewegung gesetzt werden muss. Die übrigen Gebäude waren nicht minder interessant. Neben ästhetischen Gesichtspunkten war vor allem zweierlei spannend: Zum einen wie stark das Leben und Handeln der Zarenfamilien in der Geschichte mit dem Kloster verwoben war, zum anderen in welcher Weise verschiedene Stile und Epochen der zentraleuropäischen Architekturgeschichte aufgenommen und in russischer Brechung neu interpretiert wurden. Als wir am späten Nachmittag mit dem Bus wieder nach Moskau zurückfuhren, taten wir dies alle mit einem geweiteten Horizont und vielfältig angeregtem Interesse.“

„Die Orthodoxe Geisteswissenschaftliche St.-Tichon-Universität in Moskau, die wir am Mittwochmorgen besuchten, präsentierte sich in ihrem frisch renovierten und erst kürzlich bezogenen Gebäude aufgeschlossen, modern und gastfreundlich. Studierende erzählten uns auf Deutsch von der Geschichte ihrer Universität und der Gründung vor knapp 25 Jahren, ehe wir in einem der Seminarräume detaillierter über die Studienprogramme sowie die Kooperationen mit ausländischen Universitäten (in Deutschland mit der Humboldt-Universität Berlin) informiert wurden. Das Ziel der Universität ist hoch gesteckt: Die heutigen Probleme in der Welt fordern religiös gebildete Menschen, die in Reflexion und Analyse anderen Wissenschaften in nichts nachstehen. Von den ca. 2.500 Studierenden an der Tichon-Universität studieren rund 550 Theologie, Religionskunde und altchristliche Philologie. Noch sind die Männer in der Überzahl, aber die Zahl der Studentinnen ist konstant steigend. Im Unterschied zu anderen Einrichtungen studieren Frauen hier nicht nur Ikonenmalerei oder Kirchengesang, sondern durchaus auch theologische Fächer. Nach ihren Berufsaussichten gefragt, erhielten wir aber eine ironisch bis ernsthafte Antwort: Viele heiraten zukünftige Priester – schließlich seien gut gebildete Ehefrauen ja wichtig! Das war der kleine Moment, in dem deutlich wurde, dass Denken und Wahrnehmung doch unterschiedlich sind. Vielleicht auch deshalb war der zwanglose Austausch im Anschluss so bereichernd, da hier auch mal persönlicher nach eigener Motivation und Lebensplänen gefragt werden konnte und ein wirklicher Austausch möglich wurde.“

„An den Besuch der Tichon-Universität schloss sich ein Besuch im Kyrill-und-Method-Kolleg an, der vom Moskauer Patriarchat als gesamtkirchliche Doktoranden- und Postdoktoranden-Schule betriebenen ‚Aspirantura‘. Zuerst wurden wir durch die wiedereröffnete und neu in byzantinischem Stil ausgemalte Kirche geführt, die den Priestern des Kollegs als Raum für die Einübung in die liturgische Praxis dient. In dem repräsentativ eingerichteten Konferenzraum des erst vor kurzem renovierten Hauses stellten uns der Prorektor und der Außenbeauftragte – beide junge Theologen mit hervorragenden Deutschkenntnissen – ihre Institution vor. Dieses gesamtkirchlich ausgerichtete Institut bietet Master- und Promotionsstudiengänge an, die auch für Studierende gedacht sind, die weit weg von Moskau leben, da sie auch im Fernstudium absolviert werden können. Neben der wissenschaftlichen Arbeit werden an diesem Kolleg auch die für den kirchlichen diplomatischen Dienst nötigen Kenntnisse vermittelt. An der neu eingerichteten Bibliothek, durch die uns der sehr engagierte, ebenfalls deutschsprachige Bibliothekar führte, wurde deutlich, dass sich dieses Kolleg noch in der Phase des Aufbaus befindet.“

„Am Mittwochnachmittag stand der Besuch der Christ-Erlöser-Kathedrale auf dem Programm, die mit ihrer 103 Meter hohen Kuppel eines der höchsten orthodoxen Kirchgebäude der Welt darstellt. Wie so viele Kirchen in Russland, hat auch diese Kathedrale eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Das bereits anlässlich des Sieges über Napoleon geplante und 1881 fertiggestellte Sakralgebäude wurde im Jahr 1931 von den Bolschewiken gesprengt, um einem „Palast der Sowjets“ Platz zu machen, dessen Bau jedoch nie fertiggestellt wurde. Stattdessen fungierte die freigewordene Fläche zeitweise als Schwimmbad, bis man 1995 mit dem originalgetreuen Wiederaufbau des monumentalen Kirchgebäudes begann. Dieser beanspruchte nur fünf Jahre, sodass die Kathedrale bereits am Fest der Verklärung im Jahre 2000 wieder neu eingeweiht werden konnte. Seitdem gilt sie als Wahrzeichen der russischen Orthodoxie, in der auch der Patriarch selbst an hohen Festtagen die Liturgie zelebriert. Nach der Besichtigung des prachtvollen Innenraums, in dem u.a. die Reliquien des hl. Philaret Drosdow sowie die Ikone der Neomärtyrer des 20. Jahrhunderts verehrt werden, fuhren wir mit dem Fahrstuhl auf die Aussichtsplattform hinauf, von der aus man einen hervorragenden Blick über die gesamte Stadt und insbesondere den benachbarten Kreml genießen kann. Anschließend stiegen wir in die Verklärungskirche hinab, die sich im Keller des Kirchkomplexes befindet. Anders als die Christ-Erlöser-Kathedrale selber, deren Wandmalereien deutlich westlichen Einfluss zeigen, ist die kleinere Verklärungskirche ganz im klassischen byzantinischen Stil gehalten. Das Interesse der Gruppe erregte hier vor allem die aus Edelsteinen gelegte Nikolausikone, sowie eine plastische, aus Holz geschnitzte Marienikone für Blinde.“

„Am Donnerstagmorgen machten wir uns auf die Reise: In Moskau begaben wir uns zum Bahnhof, mischten uns unter die zahlreichen, meist russischen Reisenden und bestiegen den Zug. Es ging Richtung Nordosten, vorbei an Vorstadt-Hochhäusern und hinaus ins Land, begleitet von Wiesen und Birkenwäldern bekamen wir einen Eindruck der Weite des Landes. Nach ca. vier Stunden erreichten wir das Ziel unserer Reise: Nischnij Nowgorod, am Zusammenfluss von Oka und Wolga. Wir bezogen unsere Zimmer in einem schicken Hotel und machten uns auf den Weg ins geistliche Priesterseminar. Im Speisesaal des Seminars erwartete uns ein spätes Mittagessen, das üppiger kaum hätte ausfallen können. Bei der anschließenden Führung durch das Gebäude kamen auch die Geschehnisse nach der Revolution von 1917 in den Blick, besonders die aus dem Seminar stammenden Neo-Märtyrer. Einer der Höhepunkte der Studienreise erwartete uns beim nun folgenden Gespräch: Der Prorektor, Studenten und Dozenten erklärten uns das geistliche Ausbildungssystem in Russland, erfragten unsere Haltung bezüglich der Herausforderungen der heutigen Kirchen in Deutschland und begegneten uns mit großer Gastfreundschaft, Freundlichkeit und Neugier, jedoch inhaltlich mit unverkennbarer Distanz. Fragen über Ökumenische und Feministische Theologie offenbarten, was uns in dieser Deutlichkeit bisher nicht begegnet war: an welchen Stellen Unwissenheit bzw. unterschiedliche Haltungen unserem Einvernehmen auch weiterhin Grenzen setzen. Verständnis für das je Eigene zu wecken und Vorbehalte abzubauen war hierbei eine große Herausforderung. Das Gespräch war spannend, erhellend und ließ auch Fragen offen, die wohl in allen Teilnehmenden des Gesprächs noch weiter nachklangen.“

„Der Freitag begann mit dem Besuch des Himmelfahrtsklosters, des zweitältesten Klosters in Nischnij Nowgorod. Wir erhielten eine Führung durch das klostereigene Museum und das Klostergelände. Danach besuchten wir das Tschkalow-Denkmal sowie die majestätische Tschkalow-Treppe, welche zum Gedenken an die Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg erbaut wurden. Hierbei erschloss sich uns ein malerischer Blick auf die Wolga. Um rechtzeitig zum Flughafen zu kommen, nahmen wir das Mittagessen im Priesterseminar von Nischnij Nowgorod schon um 11 Uhr ein, welches deswegen aber nicht weniger üppig ausfiel. Am frühen Nachmittag startete unser Flieger von Nischnij Nowgorod über Moskau (Vnukovo) nach Sankt Petersburg, wo wir um etwa 21 Uhr in unserer Unterkunft im Alexander-Newskij-Kloster ankamen.“

„Am Samstagmorgen ging es von der Lawra entlang des Klosterkanals und durch einen wild wuchernden Herbstpark zur Geistlichen Akademie von St. Petersburg, wo wir von Prorektor Vladimir Khulap und der Mitarbeiterin für internationale Kontakte freudig empfangen wurden. Die Führung durch die beeindruckenden Räume der Akademie gewährte uns Einblicke in das universitäre Leben: Es war die einzige Station der von uns besuchten Geistlichen Lehranstalten, in der wir an einem regulären Wochentag mitten in den Lehrbetrieb integriert wurden. Besonders eindrucksvoll war neben der hochmodernen, multimedialen Ausstattung des Instituts vor allem das scheinbare Chaos in der umfangreichen Bibliothek. 400.000 Bücher sind nach dem Ende der Sowjetzeit dorthin zurückgekehrt, doch haben sie noch längst nicht alle einen Platz gefunden, wo sie auch wiedergefunden werden könnten. Zwischen bunten Plastikblumen, abgelaufenen Ikonenkalendern, Kerzenleuchtern, Plüschschlangen und Stöckelschuhen stapeln sich Tausende von Büchern im schummerigen Licht. Für Augen, die an deutsche Institutsbibliotheken gewöhnt sind, stellt diese Bibliothek eine nicht nur visuelle Herausforderung dar. Aber auch das sich an die Führung anschließende Gespräch mit dem Prorektor und einigen Studierenden beeindruckte auf mehreren Ebenen. Zum einen scheint das Seminar international gut vernetzt zu sein und ein breites Angebot aufstellen zu können. Zum anderen kam hier ein wirklich offenes und persönliches Gespräch mit den Studenten zustande, das uns einen guten Einblick in die Beweggründe und die Motivation der angehenden Priester vermittelte. Diese Offenheit hatten die anderen beiden geistlichen Seminare ein wenig missen lassen. Allerdings war die Zeit leider sehr knapp, sodass das Gespräch einseitig blieb und für Rückfragen die Zeit fehlte.

Nach dem Mittagessen wurden wir von einem Kleinbus abgeholt und entlang des Newskij-Prospektes auf direktem Wege zur Erlöser-Kirche auf dem Blut gebracht, wunderschön direkt an einem der Kanäle gelegen mit ihren bunt gemusterten Türmen, Kuppeln und Erkern. Im Gegensatz zur westlich orientierten Gestaltung des gesamten Stadtbildes ist die Erlöserkirche der Basilius-Kathedrale in Moskau nachempfunden und setzt sich so klar erkennbar ab. Nicht nur der erste Eindruck von außen, auch die Innengestaltung ist einmalig. Unzählige Ikonen aus Mosaik, die Wände, Decken und Kuppeln zieren und ein beeindruckendes Gesamtbild ergeben, das in seiner Farbpracht wohl nur schwer zu überbieten sein dürfte. Nach einer Führung durch die Kirche fuhren wir weiter zur Isaak-Kathedrale. Die größte Kirche St. Petersburgs ist im Gegensatz zur Erlöser-Kirche mehr mit Gemälden und Marmor als mit Mosaiken geschmückt und stilistisch eindeutig westlich europäisch einzuordnen. Während der Sowjetzeit wurden hier physikalische Experimente u.a. mit einem riesigen Pendel gezeigt, das die Erdumdrehung veranschaulichen sollte. Dies und vieles mehr zur Gestaltung der Kirche erfuhren wir bei einer Führung. Vorbei an der Eremitage fuhren wir auf die Wassiljewski-Insel, von der aus man einen tollen Blick auf die Peter-und-Paul-Festung hat, den nicht nur wir, sondern auch zahlreiche Brautpaare als Kulisse nutzten. Mit dem Bus ging es nach diesem kurzen Fotostopp an der Festung vorbei, entlang der Newa zurück zum Alexander-Newskij-Kloster, dessen Geschichte und Aufbau uns eine Gästeführerin anhand eines Modells näherbrachte. Zu Fuß schafften wir es gerade noch rechtzeitig zur orthodoxen Vesper in der Petersburger Akademie. Diese war besonders wegen der musikalischen Gestaltung durch die Studierenden der Akademie wirklich schön. Nach dem Abendessen machten wir uns auf, das Nachtleben St. Petersburgs zu erkunden und waren fasziniert von der Lebendigkeit, die – unterstützt durch die vielen angestrahlten Gebäude – auch am späten Abend noch auf dem Newskij-Prospekt zu erleben war.

Am Sonntagvormittag stand – wie kann es auf einer Studienreise für Theologen anders sein – der Besuch eines Gottesdienstes auf dem Programm. Zur Auswahl standen der Besuch der Göttlichen Liturgie in der Kasaner Kathedrale (orthodox), ein Messbesuch in der katholischen Katharinenkirche sowie der Besuch einer Abendmahlsfeier in der evangelischen Peter- und Paulskirche von St. Petersburg. Da alle diese Kirchen am Newskij-Prospekt relativ nahe beieinander liegen, nahmen viele von uns die Gelegenheit wahr, neben oder auch anstelle des Gottesdienstbesuches ihrer eigenen Konfession auch die Sonntagsgottesdienste der anderen Konfessionen zu besuchen. Ein Teilnehmer besuchte sogar die armenische Kirche von St. Petersburg und nahm dort an der Liturgie teil. Zum gemeinsamen Mittagessen um 12:30 Uhr fanden schließlich wieder alle in einem Restaurant am Newskij-Prospekt zusammen, bevor es nach Kronstadt auf einer Ostseeinsel vor St. Petersburg ging.

Kronstadt wurde im Jahre 1704 von Zar Peter dem Großen gegründet. Zunächst stand die Besichtigung der dortigen Marine-Kathedrale des hl. Nikolaus auf dem Programm, der ersten Marinekathedrale in ganz Russland. Das Kreuz auf der Kuppel des ca. 70 Meter hohen Baus diente den Seefahrern wie ein Leuchtturm zur Orientierung. Zahlreiche maritime Symbole und Mosaiken prägen das Bild der Kathedrale, beispielsweise die Einlegearbeiten in Form von Meerestieren im Fußboden. Besondere Bedeutung kommt der Reliquie des hl. Nikolaus von Myra, des Patrons der Seefahrer, zu, die sich im Altarbereich befindet. Vorbild für die Kathedrale in Kronstadt ist die Hagia Sophia in Konstantinopel. Eine bedeutende Persönlichkeit der Russischen Orthodoxen Kirche hat an dieser Kathedrale gewirkt: Der hl. Johann von Kronstadt diente dort mehr als 50 Jahre; er war sowohl in der Stadt als auch außerhalb sehr bekannt, sodass täglich ca. 5000 Gläubige zur Feier der Liturgie kamen. Nach der Oktoberrevolution wurde die Ikonostase der Kathedrale vollständig zerstört und der Kirchenraum u.a. als Kino genutzt. Nach der Rückgabe an die Kirche wurde die Marinekathedrale im Jahr 2005 durch Patriarch Kyrill wieder eingeweiht. Anschließend besuchten wir die historische Altstadt von Kronstadt und hatten vor der Rückfahrt nach St. Petersburg Zeit, einen Spaziergang zum Hafen der Stadt zu unternehmen.

Am Montagmorgen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studienreise früh am Morgen zum Flughafen von St. Petersburg gebracht, um ihren Rückflug nach Deutschland anzutreten – erfüllt mit vielen Eindrücken und bereichert von zahlreichen Begegnungen, die vom „Petersburger Dialog“, mit finanzieller Unterstützung durch das Moskauer Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung, ermöglicht worden waren.