Sitzung der AG Kultur auf dem 14. Petersburger Dialog in Potsdam, 22.-24. Oktober 2015

Bei ihrer Sitzung im Rahmen des 14. Petersburger Dialogs vom 22.-24. Oktober 2015 befasste sich die AG Kultur in Potsdam mit vor allem mit dem Thema „Museumsdialog – Kulturbrücken.“

Bericht zur Tagung der Arbeitsgruppe „Kultur“ im Rahmen des 14. Petersburger Dialogs am 23. Oktober 2015 in Potsdam.

Ergebnisse der Sitzung AG Kultur zum Thema: Museumsdialog – Kulturbrücken

Die beiden Vorsitzenden der AG Kultur setzen sich dafür ein, dass Beziehungen und Kooperationen zwischen deutschen und russischen Kultureinrichtungen weiterhin verstärkt werden. Vorgestellt wurden insbesondere auch aktuelle Archivbeziehungen zwischen Berlin und Kaliningrad sowie Kooperationen zu Archäologischen Ausgrabungen und Altbeständen des ehemaligen Prussia Museums, die sich heute zum Teil in Berlin im Museum für Vor- und Frühgeschichte befinden.

Die AG Kultur des Petersburger Dialogs hat für folgende deutsch-russische Kooperationsprojekte die Übernahme der Schirmherrschaft beschlossen:

  • Folgende Ausstellungsprojekte und Wissenschaftskooperationen werden in den kommenden Jahren von der AG Kultur des Petersburger Dialogs ideell unterstützt:
    • „Eisenzeit – Europa ohne Grenzen“ – eine Forschungs- und Ausstellungsprojekt mit Bezug zu kriegsbedingt verlagerten Beständen des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, die heute in Moskau und St. Petersburg verwahrt werden. Dadurch wird erstmals die Epoche der Eisenzeit im 1. Jahrtausend v. Chr. umfassend zwischen Atlantik und dem Ural dargestellt und die Welt der Kelten, Skythen sowie anderer Völkerschaften in einer Ausstellung vereint präsentiert.
    • „Donatello“ – Eine Kooperation zwischen dem Puschkin-Museum und der Skulpturensammlung Berlin, die auch Bezüge zu kriegsverlagerten Altbeständen aus Berlin hat. Neben den erfolgreichen Kooperationsprojekten mit verschiedenen russischen Museen im Bereich der Archäologie haben die Staatlichen Museen zu Berlin in den letzten Monaten eine erfreuliche und vielversprechende neue Kooperation mit dem Puschkin-Museum im Bereich der Kunstgeschichte eingeleitet. Eine der prägenden Persönlichkeiten in der Geschichte der Berliner Museen, Wilhelm von Bode (1845-1929), hielt die italienische Renaissance für den Höhepunkt der europäischen Zivilisation und baute die Sammlungen im Kaiser-Friedrich-Museum, dem heutigen Bode-Museum, entsprechend aus. Unter dem Titel „Donatello und die Skulptur der Renaissance“ führen jetzt die Skulpturensammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und das Puschkin-Museum ein gemeinsames Forschungsprojekt zum kriegsverlagerten, ehemals Berliner Bestand durch. Ziel der Kooperation ist es, diese wichtigen Werke der Kunstgeschichte zu erschließen, zu katalogisieren, zu restaurieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Vorgeschlagen wird, dieses Projekt, das zunächst eine intensive wissenschaftliche Phase durchlaufen wird, mit einer Ausstellung abzuschließen, die Wilhelm von Bode gewidmet werden sollte. Er hatte als Direktor der Berliner Museen eine ganz besondere Bedeutung für die auszustellende Sammlung.
    • „Antike Vasenmalerei“ – Ein Kooperationsprojekt der Antikensammlung Berlin mit dem Historischen Museum Moskau ist bereits angelaufen. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten ist eine Ausstellung geplant, an der sich auch die Eremitage St. Petersburg sowie das Puschkin-Museum Moskau beteiligen könnten. „
    • „Untersuchungen des Eberswalder Goldfundes im Puschkin-Museum“ – 1913 wurde mit 81 in einem Keramikgefäß verwahrten Goldgegenständen einer der bedeutendsten Hortfunde der Bronzezeit Mitteleuropas entdeckt. Nachdem die Objekte 1939 in Berlin verpackt wurden, gelangten sie wie auch die anderen Goldgegenstände des Museums für Vor- und Frühgeschichte kriegsbedingt verlagert in das Puschkin Museum Moskau. Im Rahmen der Ausstellung „Bronzezeit – Europa ohne Grenzen“ wurden die Gegenstände 2013 erstmals wieder in der Öffentlichkeit präsentiert. Im folgenden Jahr kamen das Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und das Puschkin Museum Moskau überein, diesen herausragenden Fundkomplex der europäischen Bronzezeit gemeinsam wissenschaftlich zu untersuchen. Unter Einsatz moderner Technik stehen bei dem seit 2015 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt dabei neben archäologischen vor allem herstellungstechnische und materialkundliche Fragen im Vordergrund. Die richtungsweisende Kooperation der deutschen und russischen Partner ist zugleich ein Pilotprojekt für zukünftige Formen der Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen in Deutschland und Russland.
    • „Archäologische Bestände aus Georgien aus Berliner Altbestand im Historischen Museum Moskau“ – Das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz hatte seit Ende des 19. Jahrhunderts eine große Sammlung archäologischer Gegenstände aus der Kaukasusregion, darunter auch mehr als 100 Objekte aus Georgien. Heute befindet sich nur noch ein geringer Teil dieser Kollektion in Berlin, während andere Teile sich seit 1945 kriegsbedingt in russischen Museen befinden bzw. ihr Verbleib bislang ungeklärt ist. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte und das Staatliche Historische Museum kooperieren bei der Erfassung der noch vorhandenen Objekte in Berlin und Moskau seit kurzem. Die im Historischen Museum erhaltenen Keramikgefäße wurden restauriert sowie fotografisch dokumentiert und sollen gemeinsam mit den anderen Objekten aus Georgien in einem Bestandskatalog des Museums für Vor- und Frühgeschichte zu Beginn 2016 wissenschaftlich vorgelegt werden.
  • Die Entwicklung des Deutsch-Russischen Museumsdialogs wie auch des Deutsch-Russischen Bibliotheksdialogs wird sehr begrüßt. Zum 10 jährigen Bestehen des bilateralen fachorientierten Museumsdialogs wird es am 16. November 2105 einen Festakt im Bode-Museum in Berlin geben. Am 17. November 2015 findet ein Fachkolloquium zu den bisher durchgeführten Projekten des Dialogs in der Akademie der Künste in Berlin statt. Die beiden Vorsitzenden der AG Kultur nehmen bei dem DRMD die Sprecherfunktionen für die deutsche und die russische Seite wahr und werden Grußworte sprechen. An beiden Veranstaltungen werden zahlreiche russische und deutsche Kolleginnen und Kollegen teilnehmen.
  • Die sehr erfolgreiche, auf privater Initiative von Tatjana Rexroth beruhende Russisch-deutsche MusikAkademie wird von der AG Kultur sehr begrüßt, da die Akademie Brücken für junge deutsche und russische Nachwuchsmusiker baut und sehr ambitionierte Programmarbeit leistet. Ein dauerhafte Förderung und institutionelle Anbindung ist erforderlich, um diesem Engagement eine stabile Grundlage zu geben.

Die AG Kultur unterstützt die MusikAkademie ausdrücklich mit folgendem Votum:

Die Russisch-Deutsche MusikAkademie ist eine Projekt-Initiative von gesellschaftlicher Relevanz. Ihre fundamentale Ausrichtung auf die musikalisch-professionelle Jugend und deren Zukunft legt zwingend nahe den kontinuierlichen Austausch und die Fortdauer und Weiterentwicklung von musikalisch-inhaltlich gestützten Projekten. Sie dient dem kulturellen und damit gesellschaftlichen Diskurs und engagiert sich genau dafür. Das braucht – auf die Zukunft gesehen – eine gewisse institutionelle Basis, zumindest verbindliche Kooperationen mit Einrichtungen, die eine ausstrahlende Arbeit und deren öffentliche Präsentationen, vor allem aber auch deren Entwicklung, deren Ausbau und Intensivierung ermöglichen; das heißt: auch mittragen.

  • Engagement gegen Zerstörungen von archäologischen Stätten im Nahen Osten

Die AG Kultur unterstützt den nachfolgenden Aufruf von russischen und deutschen Museumsschaffenden zum Schutz von historischen Denkmälern im Nahen Osten ganz ausdrücklich, der sich an den verschiedenen Initiativen der UNESCO orientiert:

„Die fortwährende Zerstörung der kulturgeschichtlichen Denkmäler im Nahen Osten, in Syrien und Jemen beunruhigt uns stark. Wir ermahnen die Kriegsparteien dazu, die zum kulturellen Erbe der Menschzeit gehörenden Objekte zu schützen.

Wir fordern die Museumsschaffenden Russlands und Deutschlands auf, sich alle erdenkliche Mühe zu geben, um die außerordentliche Bedeutung dieser Denkmäler und die Notwendigkeit sie zu schützen sowohl der Weltgemeinschaft als auch der Staatsmacht nahe zu bringen.“

  • Themen für die zukünftige Arbeit der AG Kultur

Die Vorsitzenden der AG Kultur haben sich darauf verständigt in den Jahren 2016/17 verstärkt folgenden Themen zuzuwenden:

  • Austausch über die Aus- und Weiterbildung von wissenschaftlichen Volontärinnen und Volontären im Kulturbereich in Russland und Deutschland mit der Option, hierfür eine gesonderte AG Kultur Sitzung oder eine Art von „Nachwuchsdialog“ zu veranstalten
  • Das Thema „Kriegsdiplomatie zwischen Russland und Preußen“ soll unter verschiedenen Aspekten unter Einbeziehung der Archivsituationen in beiden Ländern auf die aktuelle Agenda genommen werden. Hier sind auch mittelbaren Aspekte wie die der Zusammenhänge im Bereich der Musik einzubeziehen. Auf deutscher Seite ist das Deutsche Historische Museum hier ein wichtiger Partner.
  • „Die Bedeutung des Islam in der heutigen Gesellschaft“ soll wegen der aktuellen Bezüge in Russland und Deutschland umfassend thematisiert werden. Das dazu laufende Kooperationsprojekt zwischen den Universitäten in St. Petersburg und Leipzig ist einzubeziehen.
  • „Deutsch-Russischer Film“ – insbesondere die Nachwuchsfilmförderung sollte wieder auf die Themenliste der AG Kultur genommen werden, da die Unterstützung durch den PD diesem Segment sehr geholfen hat und weitere Förderung hilfreich wirken könnte.
  • „Denkmalpflege“ – Status, Grundbedingungen und Entwicklung von Nutzungskonzepten in historischen Gebäuden / Schlössern – Parallelen und Unterschiede in der Entwicklung in Russland und Deutschland

Gez. Prof. Dr. Mikhail P i o t r o v s k y / Prof. Dr. Hermann P a r z i n g e r

Co-Vorsitzende der AG Kultur

Potsdam, den 23. Oktober 2015