Sitzung der AG Kirchen in Europa beim 11. Petersburger Dialog in Wolfsburg und Hannover, 17.-19. Juli 2011

„Christliche Impulse für Ökologie und Nachhaltigkeit“. Auf ihrer diesjährigen Sitzung erörterten orthodoxe, katholische und evangelische Kirchenvertreter aus Deutschland und Russland, welche Impulse die christlichen Kirchen in die aktuelle Debatte um die ökologische Wende und eine nachhaltige Entwicklung einbringen können.

Chancen und besondere Möglichkeiten des christlichen Beitrages zur Diskussion liegen zum einen im langfristigen (Generationen übergreifenden) und zum anderen im globalen (transnationalen, ökumenischen) Selbstverständnis der Kirchen.

Dies ermöglicht den Kirchen dezidiert als Anwalt der Nachhaltigkeit aufzutreten und den Dialog in der Öffentlichkeit und mit der Gesellschaft zu suchen.

Erzpriester Vladimir Fedorov (St. Petersburg) und Prof. Dr. Markus Vogt (München), die von der Arbeitsgruppe als Experten eingeladen worden waren, verdeutlichten in ihren Impulsreferaten, dass in kirchlichen Stellungnahmen schon lange bevor dieser Begriff Eingang in die politische Diskussion gefunden hat, auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung der Menschheit aufmerksam gemacht wurde. Zugleich warnten sie davor, sich auf moralische Appelle zur Änderung des eigenen Lebensstils zu beschränken, da die ökologische Debatte in der Gesellschaft ohnehin von einem Übermaß moralisierender Aufrufe geprägt sei. Um den erforderlichen Wandel in der Mentalität und im Verhalten der Menschen zu erreichen, ist es vielmehr erforderlich, positive Leitbilder zu vermitteln. Hier wurden im Rahmen der Sitzung einige Beispiele kirchlichen Engagements zusammengetragen (z.B. Verpachtung kirchlichen Landes zu ökologischen Bedingungen, Umweltzertifizierung bei kirchlichen Einrichtungen), die eine Möglichkeit zu positiver Identifikation und aktiver Teilnahme eröffnen.

Damit die Kirchen den Mentalitätswandel durch positive Leitbilder auch in die Gesellschaft hinein vermitteln können, bedarf es u.a. der Möglichkeit, religiöse Werte auch in staatlichen Schulen an die junge Generation vermitteln zu können. Diesbezüglich appellierten die Teilnehmer der AG Kirchen an die politische Führung in Russland, die Rahmenbedingungen für den Werteunterricht an den staatlichen Schulen Russlands zu verbessern, indem (1) die Kirchen ein stärkeres Mitspracherecht bei der Gestaltung der Lehrinhalte erhalten und (2) die Abschlüsse der geistlichen Lehranstalten des Moskauer Patriarchats auch staatlich anerkannt werden, um Vertretern der Kirchen zu ermöglichen, als Lehrkräfte an staatlichen Schulen tätig zu werden.

Konkret vereinbarten die Kirchenvertreter, beispielhafte Projekte kirchlicher Träger im Umweltbereich zu erkunden und gegenseitig bekannt zu machen sowie sich gegenseitig über die Erarbeitung kirchlicher Verlautbarungen in diesem Bereich zu informieren. Sie begrüßten ausdrücklich die Möglichkeit, die eigenen Projekte auch im Rahmen der AG-übergreifenden Panels vorstellen zu können, und plädierten im Blick auf das Gesamtthema des Dialogs dafür, die „ökologische Modernisierung“ als ein Leitbild in die politische Debatte einzubringen.