Bericht der Arbeitsgruppe „Kirchen in Europa“

Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013
Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013
Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013
Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013
Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013
Tagung der AG Kirchen in Europa, 05.12.2013

13. PETERSBURGER DIALOG

KASSEL, 4. BIS 6. DEZEMBER 2013

BERICHT DER ARBEITSGRUPPE „KIRCHEN IN EUROPA“


Die Arbeitsgruppe „Kirchen in Europa“ hat in diesem Jahr unter der Leitung von Dr. Johannes Oeldemann und Archimandrit Filaret (Bulekov) über das Thema „Soziale Gerechtigkeit als Bedingung für eine freie Gesellschaft“ diskutiert. In Anknüpfung an die Gesamtthematik des diesjährigen Dialogs ging es dabei um die Frage, wie das Zusammenleben in einer freien und pluralistischen Gesellschaft so gestaltet werden kann, dass die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft nicht von der Teilhabe an sozialen und politischen Rechten ausgeschlossen werden.Zu Beginn der Sitzung unterstrichen Erzbischof Longin von Klin für die Russische Orthodoxe Kirche, Bischof Dr. Gerhard Feige von Magdeburg für die katholische Deutsche Bischofskonferenz und Propst Siegfried Kasparick für die Evangelische Kirche in Deutschland die Bedeutung dieses trilateralen Gesprächsforums, das Orthodoxen, Katholiken und Protestanten die Möglichkeit bietet, gemeinsam über die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft zu reflektieren und ihre Positionen in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.

Zwei Impulsreferate führten in die Thematik ein. Im Impulsreferat von deutscher Seite unterstrich der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen, Pfarrer Dr. Wolfgang Gern, die Bedeutung der Kirchen als „Anwältinnen der Armen“. Während die staatliche Sozialpolitik häufig nur noch in die Menschen investiere, bei denen es sich „ökonomisch lohnt“, betonten die Kirchen die Würde aller Menschen unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit und ließen ihnen über die kirchliche Diakonie und Caritas materielle und moralische Unterstützung zukommen.Die Gesprächsteilnehmer hoben dabei hervor, dass die Kirchen diesen Ansprüchen als Arbeitgeber auch selbst entsprechen müssten. Im deutschen Sozialstaat habe sich das Prinzip der Subsidiarität bewährt, demzufolge der Staat nicht alle sozialen Probleme allein lösen muss, sondern auf die Kirchen und andere zivilgesellschaftliche Akteure angewiesen ist, um seine Aufgaben gut zu erfüllen. Im Impulsreferat von russischer Seite betonte Dr. Pavel A. Schaschkin, Sekretär des Expertenrats „Ökonomie und Ethik“ beim Patriarchen von Moskau und ganz Russland, dass die Russische Orthodoxe Kirche in dem von der Bischofssynode im Jahr 2000 verabschiedeten Dokument „Grundlagen der Soziallehre der Russischen Orthodoxen Kirche“ wichtige Grundprinzipien für das gesellschaftliche Engagement der Kirche aufgestellt habe. Diese wurden in den vergangenen Jahren in verschiedenen Dokumenten konkretisiert und präzisiert, wobei das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit durch die Werte der Solidarität, der Freiheit und des Patriotismus ergänzt worden sei. Beide Referate führten zu einer angeregten Diskussion über die Frage, auf welche Weise die Kirchen das theologische Anliegen der Wahrung der Würde jedes einzelnen Menschen als Ebenbild Gottes in konkrete Strukturen, Handlungen und Initiativen umsetzen können.

Bei seinem Bericht über die Tätigkeit der Arbeitsgruppe im Abschlussplenum hob Archimandrit Filaret die zahlreichen Aktivitäten der Arbeitsgruppe neben der Hauptveranstaltung des Petersburger Dialogs hervor. Hierzu zählten im Jahr 2013 eine Tagung zu den Herausforderungen der modernen Informationsgesellschaft (4.-7. Juni 2013 in St. Petersburg), eine Konferenz über die Rolle der Kirchen in der modernen säkularen Gesellschaft (7.-10. Juli 2013 in München) und eine Reise für Mitarbeiter und Studierende der Doktorandenschule des Moskauer Patriarchats nach Deutschland, um das System der theologischen Ausbildung an den hiesigen Theologischen Fakultäten näher kennenzulernen (9.-17. Dezember 2013 mit Stationen in Münster, Heidelberg, Tübingen und Berlin).